Dolomitentour 2017

Vorwort:
Dies sollte mein erster Besuch der Südtiroler Dolomiten ohne meinen Sohn sein. Bis einschließlich 2016 haben wir gemeinsam die Region jedes Jahr in der Zeit um Himmelfahrt und Pfingsten mit unseren Motorrädern bereist. Im Herbst 2016 hat mein Sohn bei einem unverschuldeten Verkehrsunfall mit seinem Motorrad sein Leben lassen müssen. Ich persönlich habe seitdem nie wieder auf einem Motorrad gesessen, mein eigenes Motorrad habe ich im Frühjahr 2017 verkauft. Diese Tradition der gemeinsamen Tour in diese herrliche Dolomitengegend war vorbei. Nach der ersten, schweren Zeit habe ich beschlossen, diese Tradition trotzdem irgendwie aufrecht zu erhalten, seitdem besuche ich einmal im Jahr (bevorzugt auch um Himmelfahrt) Südtirol mit meinem Wohnmobil. Ich fahre bewusst Orte und Pässe an, die wir früher mit dem Motorrad besucht haben und an denen schöne Erinnerungen hängen. Ich fahre bewusst ganz allein in diese Gegend, um auch Zeit für mich und meine Erinnerungen zu haben. Jede Kurve, jeden Pass haben wir schon mit den Motorrädern befahren und all diese Orte sind mit schönen Erinnerungen behaftet. Diese Strecken jetzt mit einem Wohnmobil von ca. 8m Länge zu bereisen, stellt einen krassen Perspektivwechsel dar. Man nimmt die Gegend aus der erhöhten Sitzposition und bei der recht langsamen Reisegeschwindigkeit ganz anders wahr, als beim Kurvenrausch mit dem Motorrad. Trotzdem war ich lange genug aktiver Motorradfahrer, um auf diese auch jetzt Rücksicht zu nehmen. Ich habe also immer einen Blick im Rückspiegel und mache für Motorradfahrer, aber auch PKW-Fahrer Platz, wo immer es geht.

Tag 1, Mittwoch der 24.05.2017:
Heute sollte noch ein kurzer Arbeitstag vor dem langen Wochenende sein. Bereits am Vorabend hatte ich das Wohnmobil reisefertig gemacht und war dann morgens mit Wohnmobil zur Arbeit gefahren. Wie geplant konnte ich bereits etwas früher Feierabend machen und gegen Mittag zu meiner Reise aufbrechen. Da ich nicht genau wusste, ob ich alle mir wichtigen Orte auch mit dem Wohnmobil erreichen kann, habe ich mein Fahrrad mitgenommen.

Die Fahrt durch Deutschland verlief ereignislos, aber in Tirol geriet ich auf dem Fernpass in eine Vollsperrung.

Der Grund für die Sperrung war schnell ausgemacht, dort fand eine Flugshow statt. Damit die Autofahrer sich nicht von den tieffliegenden Formationen ablenken lassen und vielleicht im Abgrund landen, wurde der Pass vorsorglich für den Straßenverkehr gesperrt.

Die Flugshow war relativ schnell vorbei, so dass ich nach ca. 30 Minuten Pause meine Fahrt fortsetzen konnte. Ich hatte mein erstes Etappenziel auch schon fast erreicht. Die erste Nacht wollte ich auf dem Reisemobilstellplatz „Sunnawirt“ bei Heiterwang verbringen.

Nachdem ich im Lokal etwas gegessen hatte, verbrachte ich den Rest des Abends in meinem Wohnmobil. Bei einem Glas des Lieblingsrums von meinem Sohn verbrachte ich den Abend mit Erinnerungen an meinen Sohn und schaute mir Bilder aus vergangenen Tagen an. Ich war froh, ganz allein zu sein und von niemandem in meinen Erinnerungen gestört zu werden.

Tag 2, Donnerstag der 25.05.2017 (Himmelfahrt):
Am nächsten Morgen ging es weiter über den Reschenpass, der auf italienischer Seite doch recht zähfließend zu befahren war.

Die Fahrt nach Meran ging durch beschauliche Landschaften mit viel Obstanbau. In Meran machte ich eine kurze Pause, um ein paar Kleinigkeiten einzukaufen. Mitten in der Stadt mit so einem Wohnmobil zu parken, kann schon eine Herausforderung sein.

Die Einkäufe waren schnell erledigt, es sollten ja auch nur ein par regionale bzw. landestypische Spezialitäten gekauf werden.

Mein heutiges Tagesziel sollte der Jaufenpass sein. Also ging es weiter, dem Tagesziel entgegen. Unterwegs fand ich noch einen schönen Rastplatz mit herrlicher Aussicht, genau der richtige Platz für eine Brotzeit.

Das Bier war natürlich alkoholfrei

Auf der Passhöhe angekommen, war natürlich vor der Edelweißhütte alles mit Motorrädern zugeparkt. Nur zwei Kurven weiter fand ich einen großen Platz, der erst mal zum Parken einlud.

Dass es sich hier um eine Buswendestelle handelte und Parkverbot bestand, habe ich erst später entdeck

Jetzt war die erste Gelegenheit da, um das Fahrrad zum Einsatz zu bringen. In der Edelweißhütte war ich in früheren Jahren häufiger mit meinem Sohn eingekehrt, das wollte ich auch heute machen. Mit dem E-Bike ging es also das kurze Stück wieder bergauf bis zur Hütte und ich war froh über die elektrische Unterstützung 😀. Mit dem Fahrrad hatte ich jetzt keine Parkplatzprobleme mehr.

So wie die BMW im Vordergrund hat meine Maschine ausgesehen, exakt das gleiche Modell

In der Hütte gab es einen Cappuccino und ein Stück leckeren Kuchen. Diese Hütte steht bei mir (fast) jedes Jahr auf der Agenda. Nachdem ich festgestellt hatte, dass ich mit dem Wohnmobil im Parkverbot stand, wollte ich dort natürlich nicht übernachten. Also fragte ich den Betreiber der Panoramahütte, die nur wenige Meter neben der Edelweißhütte liegt, ob ich auf seinem Parkplatz übernachten dürfte. Er wollte sowieso gerade Feierabend machen und hatte nichts dagegen. Also habe ich das Wohnmobil schnell umgeparkt und stand nun direkt auf der Passhöhe.

Der Blick aus dem Fenster war einfach nur schön. Ich liebe dieses Panorama.

Da die Hütte inzwischen geschlossen war, musste ich mir selbst wieder mein Abendessen zubereiten, aber das macht mir Spaß.

Es gab Spaghetti aglio olio pepperoncini und einen leckeren Südtiroler Rotwein

Tag 3, Freitag der 25.05.2017:
Auch am nächsten Morgen erwartete mich traumhaftes Wetter und der Blick aus dem Fenster war wunderschön.

Meine Reise führte mich weiter den Reschenpass hinab in Richtung Sterzing und dann über das Penser Joch.

Weiter ging es zum Karer See, der ebenfalls einen traumhaften Blick geboten hat

Weiter ging es zum Fedaia-Stausee.

Auch hier kam wieder mein Fahrrad zum Einsatz, da es an der Staumauer keine Parkmöglichkeit für mich gab.

Exakt an dieser Stelle standen vor zwei Jahren noch unsere (alten) Motorräder, vor dem zugefrorenem See. Das Bild hatte es damals sogar auf einen Motorradkalender geschafft.

Weiter ging es auf den Passo Giau. Die Erinnerungen an diesen Pass sind besonders intensiv, weil dies der allerletzte Bergpass war, den ich mit meinem Sohn im Vorjahr besucht hatte.

Eigentlich war mein Plan, auf diesem Pass meine nächste Nacht zu verbringen, aber dieses Schild hielt mich dann doch davon ab.

Also steuerte ich das Pordoijoch an. Auch hier waren wir schon oft. Auch hier fand ich ein Schild vor, das mich erst mal verwirrte.

Es stellte sich aber hinterher heraus, dass dieses Schild nur Camping verbietet, nicht aber das Parken. Trotzdem habe ich in dem Restaurant gefragt, ob ich auf dem Platz übernachten dürfte und bekam sofort die Erlaubnis. Also konnte ich auch gleich in dem Lokal etwas essen und ein Glässchen Wein trinken.

Tag 4, Samstag der 26.05.2017:
Heute hatte ich Lust auf ein herzhaftes Frühstück, Also gab es ein leckers Rührei mit Südtiroler Speck (Bacon).

Dann führte mich mein Weg weiter auf das Sellajoch, allerdings nur zu einer kurzen Fotopause.

Über das Grödnerjoch ging meine Fahrt weiter zum Würzjoch, diesmal aber nicht bis hinauf zur Passhöhe sondern lediglich bis Antermoia. Das liegt ca. 500 Höhenmeter unter der Passhöhe.

In diesem Ort begann unsere gemeinsame Liebe zu den Dolomiten. Im ersten Jahr waren wir noch in der benachbarten Pension untergebracht, danach dann in diesem Hotel Antermoia. Vor hier aus haben wir immer unsere Tagestouren mit den Motorrädern gestartet, bis wir dann in 2016 das erste mal mit dem Wohnmobil auf einem Campingplatz waren, um von dort aus zu starten.

Natürlich wollte ich auch zur Hütte auf der Passhöhe. Allerdings hatte ich die Straße nach oben als recht schmal und auch in sehr schlechtem Zustand in Erinnerung, so dass ich mir nicht sicher war, ob ich die Fahrt mit dem Wohnmobil wagen könnte. Also begann der sportlichste Teil meiner Reise. Mit dem E-Bike legte ich die letzten 5km zurück und musste dabei ca. 500 Höhenmeter überwinden. Das war trotz elektrischer Unterstützung noch ziemlich anstrengend und ich habe zwischendurch eine kleine Pause machen müssen.

Diese Strecke wäre aber auch mit dem Wohnmobil machbar gewesen und wird ganz bestimmt in den späteren Jahren befahren werden. Die Rückfahrt zum Wohnmobil war dann zum Glück ein Kinderspiel, es ging ja nur noch bergab. Nachdem ich mich dann etwas frisch gemacht hatte, war ich im Hotel essen.

Die Chefin des Hauses hat sich dann noch zu mir gesetzt. Sie kannte meinen Sohn ja auch und wir haben uns eine Weile unterhalten. Das war für mich ein ziemlich emotionaler Abend. Den Rest des Abends verbrachte ich dann wieder allein im Wohnmobil, bei einem gute Rum und einer Zigarre (vor dem Wohnmobil). Das war immer unsere Tradition nach einer schönen Motorradtour, abends einen Rum oder Whisky und eine Zigarre zu genießen und den Tag Revue passieren zu lassen.

Tag 5, Sonntag der 27.05.2017:
Der Tag des Abschieds aus den Dolomiten war gekommen. Mein Weg führte mich zunächst über den Brennerpass in Richtung Insbruck. Kurz vor Insbruck bin ich noch einmal abgebogen und habe noch einen Abstecher ins Kühtai gemacht.

Dann ging es auch schon weiter über den Zirler Berg nach München. Dort wollte ich einen Freund besuchen, den ich auch bereits mit meinem Sohn besucht hatte. Wir verbrachten einen schönen Nachmittag in seinem Garten, haben gegrillt und uns viel über meinen Sohn unterhalten.

Die Nacht verbrachte ich natürlich wieder in meinem Wohnmobil. Mein Freund hatte sein eigenes Wohnmobil extra schon woanders geparkt und mir den Platz auf seinem Grundstück freigemacht. Das war ein netter Zug, denn in München ist es nicht unbedingt einfach, einen geeigneten Parkplatz zu finden.

Tag 6, Montag der 28.05.2017:
Der Tag der endgültigen Heimreise war gekommen. Die Fahrt von München nachhause verlief reibungslos. Unterwegs besuchte ich meinen Sohn noch einmal im Friedwald, um von dieser doch sehr emotionalen Tour Abschied zu nehmen.

Fazit:
Diese Reise war eine Achterbahn der Gefühle. Zum Glück waren aber die schönen Erinnerungen in der Überzahl. Ich habe mir vorgenommen, diese Erinnerungstour nun möglichst jedes Jahr zu machen, um an den schönen Orten die schönen Erinnerungen aufzufrischen.