„Merlin“ 2015

Törnbericht vom 08.08.2015 bis 15.08.2015 mit der „Merlin“ auf der Mecklenburgischen Seenplatte

Schlafplätze:
4 Personen
2 Kabinen
Technische Daten:
Länge: 10,00 m
Breite: 3,60 m
Tiefgang: 1,05 m
Bugstrahlruder
Heckstrahlruder
Ruderlagenanzeige
Echolot
Sumlog
Landanschluss

Antrieb:
Motor: VW-Marine Diesel
Leistung: 74 kW/100 PS
Weitere Angaben:
Nasszellen: Dusche / 2x WC
Wassertank: 250 l
Fäkalientank: 110 l
Kraftstofftank: 250 l
Liegeplatz: Müritz / Rechlin / Lärz

Vorwort:

Unser Urlaub 2015 soll etwas ganz Besonderes werden. Bereits im Herbst des vergangenen Jahres hatten wir die Merlin für diesen Urlaub gechartert. Zu dem Zeitpunkt wussten wir noch nicht, dass wir uns im Frühjahr 2015 ein Wohnmobil kaufen würden. Also kombinieren wir Hausboot und Wohnmobil in einem Urlaub. Wir reisen mit dem Wohnmobil nach Rechlin an und verbringen direkt im Anschluss an unseren Törn noch eine Woche im Wohnmobil.

Anreise:

Wir beginnen unseren Urlaub bereits auf der Anreise. Wir starten mit unserem Wohnmobil am Freitag, den 07.08.2015 vormittags in Richtung Mecklenburg. Die Anreise verläuft bis auf kleinere „Vorkommnisse“ reibungslos. Lediglich ein Stau von ca.10km war zu bewältigen. Gegen 18 Uhr waren wir im Yachthafen und haben uns schon mal die Örtlichkeiten angesehenen. Danach ging es nach Mirow auf die Schlossinsel, wo wir einen Stellplatz mit Ver- und Entsorgungsmöglichkeiten gefunden haben. Dort blieben wir für eine Nacht stehen und machten uns zunächst zu Fuß auf den Weg, die Insel zu erkunden. Das Schloss ist sehr schön.

Mit dem Hafenmeister Ole haben wir einen kurzen Plausch gemacht, für den nächsten Morgen Angelköder bestellt. Nach dem Abendessen im Wohnmobil ließen wir den Abend gemütlich ausklingen.

Tag 1 auf der Merlin:

Der erste Tag auf der Merlin war wenig spektakulär. Gegen 13 Uhr durften wir unsere Sachen an Bord bringen, dann ging es auch schon zur theoretischen Einweisung. Gegen 15 Uhr gab es dann die praktische Einweisung, die für unsere Begriffe etwas zu oberflächlich war. Wir fühlten uns nicht wirklich in der Lage, das Boot sicher zu steuern. Also beschlossen wir, nicht direkt die erste Schleuse anzusteuern, sondern erstmal etwas Übung mit dem Boot zu bekommen. Deshalb haben wir unsere erste, selbständige Fahrt erstmal in Richtung Müritz angetreten. Auf dem Sumpfsee übten wir einige Manöver und machten uns mit der Steuerung des Bootes vertraut. Gegen 18 Uhr steuerten wir dann wieder den Heimathafen unseres Bootes in Lärz an. Das erste Anlegemanöver im Hafen war noch etwas holprig, verlief aber ganz gut. Zum Sonnenuntergang gab es den ersten Sundowner auf der „Brücke“

Die erste Nacht an Bord war sehr erholsam. Im Hafen war himmlische Ruhe.

Tag 2 auf der Merlin:

An unserem zweiten Tag auf der Merlin sind wir ziemlich früh wach, wahrscheinlich weil wir aufgeregt waren. Wir hatten uns aber auch vorgenommen, möglichst ganz früh an der Schleuse Mirow zu sein, um nicht zu lange warten zu müssen. Unser Plan ging auf. Wir konnten direkt in die Schleuse einfahren, ohne Wartezeit. Kurz vor der Schleuse hatten wir mit unserem Boot einen kleinen Kontakt mit einem tiefhängenden Ast, es ist aber zum Glück nichts passiert.

Nach der ersten Schleuse haben wir unsere erste Ankerpause im Zotzensee gemacht. Erst gab es mal Frühstück, anschließend haben wir die Wassertemperatur des Sees getestet und für gut befunden. Also haben wir beschlossen, ausgiebig zu schwimmen. Es war herrlich. Insgesamt haben wir ca. zwei Stunden geankert, dementsprechend voll war es an der nächsten Schleuse in Diemitz. Hier durften wir etwas über zwei Stunden warten, bevor wir die Schleuse passieren konnten.

Immerhin hatten wir inzwischen genug Übung, so dass dieses Schleusenmanöver und auch die darauffolgenden keine Probleme bereiteten und auch die Aufregung komplett weg war. Alles lief Hand in Hand und so wir erreichten gegen 18 Uhr unser erstes Tagesziel, die Marina Wolfsbruch.

Die Marina Wolfsbruch ist ein Best Western Hafen mit allen Annehmlichkeiten, die es geben kann. Eigentlich hätte es sich angeboten, in einem der Lokale gemütlich essen zu gehen. Da wir aber Hackfleisch aufgetaut hatten, musste dieses auch verarbeitet werden. Also haben wir an Bord gegessen. Den Abend haben wir wieder bei einem Sundowner ausklingen lassen und trotz der vielen Boote im Hafen eine ruhige Nacht verbracht.

Tag 3 auf der Merlin:

Die Nacht war wieder um 7 Uhr zu Ende, wahrscheinlich wird das wohl die Standardzeit für diesen Urlaub. In der Hafenbäckerei haben wir uns mit frischen Brötchen versorgt und in aller Ruhe gefrühstückt. Eigentlich wollten wir noch den Fäkalientank entleeren und Frischwasser tanken, aber an der Tankstelle war reges Treiben. Also haben wir beschlossen, erst einmal abzufahren und unterwegs zu ver- und entsorgen. Der heutige Tag sollte komplett frei von Schleusen sein. Hindernisse gab es trotzdem zu überwinden, da auf dem Weg mehrere Brücken mit niedriger Durchfahrtshöhe waren, so dass wir den Aufbau herunterklappen mussten. Das war technisch kein Problem, aber danach gab es am Steuerstand keinerlei Sonnenschutz mehr. Bei Temperaturen um die 30°C im Schatten und wolkenlosem Himmel war das ziemlich anstrengend. Also haben wir das Verdeck nach jedem Hindernis wieder hochgeklappt, sobald die Gelegenheit dazu da war. Das Manöver hatten wir an diesem Tag drei mal.

Unser erstes Tagesziel sollte der Stadthafen von Rheinsberg sein, wo wir zuerst zur Entsorgungsstelle fuhren und den Tank abpumpen ließen. Das ging problemlos. Frischwasser gab es dann am Gastanleger, wo wir ca. zwei Stunden Pause gemacht haben. Die Zeit haben wir genutzt um das Hafendorf zu besichtigen, einen Blick vom Leuchtturm zu werfen und den Badestrand zu testen. Hier gab es auch Gelegenheit, ein paar Köderfische zu fangen.

Danach machten wir noch einen Abstecher zum Rheinsberger Schloss, das wir aber nur von der Seeseite betrachtet haben.

Nach diesem Abstecher steuerten wir unser Tagesziel an, den Schwarzen See und dort den Anleger am Fischereibetrieb Gerth. Nachdem wir am äußersten Anleger festgemacht hatten, wurde erst einmal ausgiebig im erfrischenden See gebadet. Anschließend haben wir beim Fischereibetrieb lecker gegessen und später zum ersten Mal die Angelruten ausgeworfen.

Tag 4 auf der Merlin:

Der heutige Tag sollte ein Tag zum Entspannen und Faulenzen sein. Die Nacht war nicht sehr erholsam, da sich die Steganlage bei Wind bewegt hat und dadurch ziemlich laute Geräusche verursachte. Gegen 7:30 Uhr standen wir auf und machten Frühstück. Direkt nach dem Frühstück war schon das erste Mal Baden und Plantschen im See angesagt, es war herrlich. Das sollte auch den ganzen Vormittag so bleiben. Wir sind einfach an dem Anleger am Fischereibetrieb liegen geblieben und haben den kompletten Vormittag mit Baden und Faulenzen zugebracht. Zum Mittagessen gab es dann noch einmal leckeren Fisch aus dem Fischereikiosk. Gegen 14 Uhr machten wir die Leinen los und fuhren zurück zur Marina Wolfsbruch. Da die Anzeige auf dem Boot uns vormachte, dass der Abwassertank schon wieder voll sei, fuhren wir als erstes die Tankstelle zur Entsorgung an. Aber es war kaum was im Tank, umso ärgerlicher war der hohe Preis für die Entleerung. Danach machten wir im Bereich der Gastlieger fest und hatten um 15 Uhr bereits unser Tagesziel erreicht. Der Tag sollte ebenso ruhig ausklingen, wie er begonnen hat.

Tag 5 auf der Merlin:

Heute sollte es so langsam wieder in Richtung Heimathafen gehen, aber nur in die Richtung. Gegen 8:30 Uhr sind wir an der Marina Wolfsbruch aufgebrochen. Die Schleuse Wolfsbruch ist ja direkt 200 Meter hinter der Hafeneinfahrt und vor uns war kein Boot. Die Freude war schon groß, da gerade die Talschleusung fertig war und wir auf das grüne Signal an der Schleuse warteten. Doch plötzlich ging die Schleuse wieder zu und hatte eine Leerfahrt. Sehr seltsam, der Sache musste auf die Spur gegangen werden. Die Schleuse Wolfsbruch war die einzige Selbstbedienungsschleuse auf unserer Strecke, daher wussten wir nicht, dass man die Schleusung mit dem grünen Hebel anfordern musste. Also haben wir den grünen Hebel gezogen, was mit einem freundlichen Piepton quittiert wurde. Siehe da, nach der nächsten Talschleusung ging die Ampel auf Grün und wir konnten einfahren.

An der Schleuse Canow war schon mehr los und wir brauchten ca. eine Stunde, bis wir durch waren. Die Schleuse Diemitz war dann mit zwei Stunden Wartezeit wieder unser Tagesrekord. Direkt nach der letzten Schleuse, im Mössensee, haben wir dann unsere Ankerpause eingelegt, um vor dem Regenschauer noch schnell eine Runde Schwimmen zu gehen. Danach gab es Mittagessen, den leckeren Räucherfisch vom Fischereibetrieb „Schwarzer See“.

Nach einer ausgedehnten Pause haben wir unsere letzte Tagesetappe zum Mirower See gestartet. Bei moderaten Temperaturen um 25°C erreichten wir gegen16 Uhr unser Ziel. Wir hatten unterwegs telefonisch beim Hafenmeister Ole einen Liegeplatz für die Nacht reserviert, aber als wir an dem Anleger vorbei fuhren, war es dort schon rappelvoll. Wir hatten unterwegs bei unseren Wartezeiten an den Schleusen erfahren, dass es bei Ole immer sehr voll ist. Wir hatten keine Lust, uns irgendwo dazwischen quetschen zu lassen und haben unser Glück beim nächsten Anleger am Strandhotel versucht. Mit langsamer Fahrt ging es am Anleger vorbei, als wir auch schon einen winkenden „Einweiser“ auf dem Steg entdeckten. Wir hatten Glück und konnten am letzten freien Anleger festmachen. Den reservierten Liegeplatz bei Ole haben wir telefonisch wieder freigegeben. Die Nacht versprach nicht ganz so ruhig zu werden, wie sonst, da wir in keinem geschützten Hafen lagen, sondern der See offen vor uns lag. Obwohl wir das Boot mit vier Leinen ringsum festgemacht hatten, schaukelte es doch recht ordentlich. Das Wasser war noch etwas bewegt durch den Wind und es fuhren ständig Boote vorbei, die Wellen verursachten. Es blieb die Hoffnung, dass es ruhiger wird, wenn keine Boote mehr fuhren. Die Hoffnung war nicht vergebens, die Nacht war die beste, seit Beginn unseres Törns.

Tag 6 auf der Merlin:

Wir haben zum ersten Mal bis 9 Uhr geschlafen, ganz gegen unsere Pläne. Aber Urlaub ist ja auch dafür da, einfach mal die Pläne zu ändern. Das hat sich im Laufe des Tages noch einmal gezeigt. Auf ein Frühstück im Hafen haben wir wieder einmal verzichtet. Ein schneller Kaffee und dann ging es los. Gegen 10 Uhr haben wir die letzte Schleuse unseres Törns erreicht und kamen auch gleich im ersten Hub durch.

Gegen 11 Uhr erreichten wir unseren Heimathafen in Lärz und machten hier eine kurze Pause zum späten Frühstück und nutzten die Gelegenheit, noch einmal unsere Tanks zu ver- und entsorgen. Wir hatten den Plan, heute zum Abschluss über die Müritz nach Waren zu fahren und dort unsere vorletzte Nacht dort zu verbringen. Nach einem Blick in die Wettervorhersage haben wir unseren Plan spontan geändert. Für den nächsten Tag sind Windstärken zwischen 4 und 6 Bft. vorhergesagt. Da wir mit dem Charterschein ab Windstärke 4 nicht auslaufen dürfen, gehen wir lieber kein Risiko ein und fahren nur bis Röbel. Leider ist kein Anleger frei, so dass wir wieder abdrehen und Kurs auf Rechlin nehmen. Die Fahrt über die große Müritz ist doch etwas anderes, als auf den Kanälen und kleinen Seen.

Das Wasser ist sehr bewegt und das Boot schaukelt ziemlich stark. Das wird unter der Mannschaft mit gemischten Gefühlen aufgenommen. Während ein Teil die Fahrt richtig genießt, muss der andere Teil die Übelkeit überwinden. Gegen 16:30 Uhr erreichten wir den Yachthafen Rechlin Nord und machen für unsere vorletzte Übernachtung fest.

Im „Captain’s Inn“ gehen wir noch einmal lecker essen und lassen den Abend dann an Bord der Merlin ausklingen.

Tag 7 auf der Merlin:

Der letzte Tag auf der Merlin sollte ein ganz entspannter Tag werden. Gegen 9 Uhr sind wir im Yachthafen Rechlin Nord aufgebrochen und Richtung Buchholz gestartet. Dort wollten wir eigentlich eine kleine Pause einlegen, aber wir haben keinen Platz zum Anlegen gefunden. Also sind wir wieder ein Stück zurück in den Müritzarm gefahren und haben einen schönen Ankerplatz gefunden.

Also, Anker runter und Pause! Aus der Ankerpause wurden 4 Stunden, mit Schwimmen, Essen und sogar ein Mittagsschlaf vor Anker war drin. Das war ein würdiger Abschluss eines schönen Törns. Auch heute war wieder traumhaftes Wetter mit Temperaturen um 35°C und Windstärke 4. Gegen 15 Uhr haben wir den Anker gelichtet und sind gemütlich Richtung Heimathafen gestartet. Den haben wir gegen 16:15 Uhr erreicht, noch Kraftstoff nachgetankt und Brötchen für den nächsten Morgen bestellt. Dann ging es auch schon ans Ausräumen. Wir haben nur noch die Sachen an Bord gelassen, die wir für unsere letzte Nacht benötigen, alles andere haben wir wieder im Wohnmobil verstaut.

Abreise:

In unserer letzten Nacht auf der Merlin hat es doch tatsächlich geregnet. Das hat uns aber nicht gestört. Das gleichmäßige Klopfen der Regentropfen war ein sehr beruhigendes Geräusch zum Schlummern. Am Samstag wachten wir gegen 7 Uhr auf und nahmen unser letztes Frühstück an Bord der Merlin ein. Danach brachten wir unsere restlichen Sachen von Bord der Merlin und an Bord unseres Wohnmobiles. Es hat schon einen Vorteil, wenn man den Inhalt des Kühlschrankes direkt in den nächsten Kühlschrank einräumen kann. Gegen 10 Uhr war dann Abnahme des Bootes und nachdem die Mängelfreiheit vom zuständigen Mitarbeiter bescheinigt wurde konnten die wenigen Formalitäten im Büro erledigt werden, restliche Rechnung begleichen (für Diesel und Brötchen), Rückerstattung der Kaution, Schlüsselübergabe usw. Gegen 10:30 Uhr traten wir den zweiten Teil unserer Urlaubsreise auf dem Landweg an, aber das gehört nicht mehr in diesen Törnbericht.

Unser Fazit von diesem Urlaub: Absolut empfehlenswert. Wir werden das irgendwann noch einmal wiederholen. Diese Art von Urlaub bringt einfach ganz viel Ruhe, Entspannung und jede Menge Natur. Für stressgeplagte Berufstätige ist das genau das Richtige zum Entschleunigen und um einfach mal die Batterien aufzutanken. Dazu ist es angeraten, einfach mal für den Job nicht erreichbar zu sein, also Handy aus und auch keine E-Mails abrufen. Dafür ist dann nach dem Urlaub wieder genug Zeit.